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                                                                                                 Sonntag, den 10.09.2017

Zwei intakte Rüden: Gegenseitig poppen statt sich zu verkloppen

Ein Herz und eine Seele

Anfang 2015 zog James bei uns ein. Ein sehr charmanter Cavalier King Charles Spaniel im zarten Alter von drei Monaten. Mit seinen großen Kulleraugen wickelte er uns auf der Stelle um den Finger. Auch George war von Anfang an begeistert von dem kleinen Kerl, endlich war wieder was los in der Bude! Und so wurde nicht nur viel gespielt, sondern von Anfang an auch viel gekuschelt. George hatte sowieso keine andere Wahl, denn James kuschelte sich einfach an ihn oder tapste über ihn hinweg und ließ sich plumpsen, wo es ihm gerade in den Sinn kam. Oft war das genau über George :-)

George und James - ein Herz und eine Seele

Die Sache läuft aus dem Ruder

Sehr süß war das damals. Und es ging auch längere Zeit alles gut. So lange, bis James auf die Pubertät zusteuerte. Irgendwie muss er dadurch angefangen haben, für George doch recht attraktiv zu riechen. Denn der war plötzlich bis über beide Ohren in den kleinen Kerl verliebt. Ständig wollte er bei James aufreiten und ständig starrte er ihn mit großen, geweiteten Pupillen an. Wenn James döste oder schlief, dann saß George oft vor ihm, kam überhaupt nicht zur Ruhe und hechelte die ganze Zeit. Auch nachts. An Schlaf war deshalb oft weder für ihn noch für uns zu denken. 

 

Das Gerammel untertags ließ sich zwar unterbinden, denn wenn man George sagte, er solle es lassen, dann ließ er es bleiben. Aber das änderte leider nichts daran, dass der arme Kerl selbst gar nicht mehr zur Ruhe kam und dadurch ständig unter Stress stand. Kein Zustand auf die Dauer. Ich durchforstete das Internet nach Erfahrungen anderer Rüdenhalter. Und ich fand dazu nichts, absolut gar nichts. Wenn es Probleme zwischen Rüden gibt, dann wohl eher solche, dass sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen (wollen). Nun... davon waren wir wohl meilenweit entfernt... Und Gerammel gibt es nur dann, wenn einer der beiden kastriert ist, mehr ließ sich bei meiner Recherche nicht herausfinden.

 

Nach Rücksprache mit unserer Tierärztin beschlossen wir also, George einen Hormonchip setzen zu lassen. Wir hofften, dass James bis zum Ende der Wirkzeit durch die Pubertät durch wäre und George kein sexuelles Interesse an einem "fertigen Rüden" entwickeln würde. Und so folgten einige sehr entspannte, ruhige und harmonische Monate. Bis... ja, bis der Chip nach und nach seine Wirkung verlor. 

Wir haben uns ja soooooooo lieb!

Die Sache läuft noch mehr aus dem Ruder

Alles fing recht harmlos an, steigerte sich dann aber von Woche zu Woche. Und das Schlimme war, dass das sexuelle Interesse nun von beiden ausging. Entweder poppte George James oder umgekehrt. Wir versuchten alles. Von ignorieren über striktes und konsequentes unterbinden, aber es änderte sich nichts. Die Hoffnung, dass sich alles irgendwann einspielen würde, sank immer mehr.

 

Wenn der Hormonchip seine Wirkung verliert, dann kann das nochmals zu einem vermehrten Auftreten von rüdentypischen Verhaltensweisen führen. Also wollten wir natürlich noch etwas abwarten. Aber das führte zu nichts, außer, dass der Unmut bei uns und der Stress für unsere beiden Buben von Woche zu Woche größer wurde. Dazu kam, dass beide wieder nicht zur Ruhe kamen, sich ständig gegenseitig Öhrchen und Gesicht beleckten und dadurch kaum Schlaf fanden. Außerdem wollten sie beide nicht mehr richtig fressen und verloren zusehends an Gewicht. 

 

Mittlerweile hatten wir außerdem auch Sorge, dass das Gerammel in erlerntes Verhalten übergehen würde. Bei sexuellen Handlungen wird Dopamin ausgeschüttet, die sogenannte "Selbstbelohnungsdroge". Das fühlt sich für den Hund toll an, das will er immer wieder haben. In unserem Fall haben sich George und James dieses tolle "Feeling" also immer und immer wieder durch das gegenseitige Rammeln geholt. Dopamin spielt eine wichtige Rolle bei Suchterkrankungen. Süchtige Rammler wollten wir aber auf keinen Fall haben, im Gegenteil, das alles sollte - zum Wohl unserer beiden Jungs - endlich aufhören!

 

Also stand mal wieder ein Besuch bei unserer Tierärztin an. Wir wollten mit ihr über die Möglichkeit einer Kastration sprechen. Da diese nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, riet sie uns dazu, erstmal beide Hunde chippen zu lassen und zu sehen, wie sich das ganze entwickelt. Bevor wir also endgültig entscheiden mussten, gab es einen Probelauf. Und dieser verlief ausgesprochen gut.

George und James mit ihren OP-Bodys nach der Kastration

Die Entscheidung ist gefallen...

Natürlich dauerte es einige Zeit, bis die Hormonchips wirkten, aber dann kehrte endlich wieder Ruhe ein! Kein Gerammel mehr, kein fiepsen, keine geweiteten Pupillen, kein gestresstes Hecheln, sogar der Appetit kehrte alsbald wieder zurück! Und unsere beiden Jungs verstanden sich prächtig. Endlich konnten sie wieder unbefangen miteinander spielen, ohne, dass das Ganze gleich in wildem Gepoppe endete. Und sie konnten schlafen, eng aneinander gekuschelt selig schlafen. 

 

Und da das alles endlich wieder so gut lief, entschieden wir uns, noch vor dem Ende der Wirkungsdauer der Hormonchips, die beiden ihrer Eierchen zu berauben. Eine Kastration war das, was ich nie haben wollte. Und was, wenn man George und James einzeln betrachtet, auch nie hätte sein müssen. Beide ließen sich immer ohne Widerworte von Hundedamen-Pipistellen abrufen, auch wenn noch so wild geschmatzt wurde. Beide ließen sich auch problemlos davon abhalten, läufigen Hündinnen hinterherzulaufen. Aber die beiden miteinander... ein kleiner Super-GAU... 

 

Die Kastration war Weihnachten 2016, alles ist anschließend gut verheilt und es gab keinerlei Komplikationen. Insgesamt betrachtet haben wir unseren Schritt nicht bereut. James hat zwar leider ein ordentliches Welpenfell entwickelt, aber dafür geht es den beiden, was ihr "Gefühlsleben" betrifft, richtig gut. Das Zusammenleben gestaltet sich sehr harmonisch, die beiden sind die dicksten Kumpels und abends im Bett wird feste gekuschelt - mittlerweile rein platonisch, versteht sich! :-)

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